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Johannes Hohlfeld, von 1924 bis 1950 Geschäftsführer der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig, zum 50. Todestag

Zusammenfassung zum Vortrag am 12.04.2000
Referent:
Dr. Weiss, Volkmar (Rietschelstr. 28, 04177 Leipzig)

Die Arbeit der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte wurde über mehr als 25 Jahre durch die Persönlichkeit des Historikers Johannes Hohlfeld geprägt, ohne daß es sein außerordentlicher Fleiß, seine Sachkenntnis und sein ausgeprägter demokratischer Bürgersinn verhindern konnten, daß 1950 mit seinem Tode die Leipziger Zentralstelle faktisch als privatrechtliche Institution unterging. Wenn damit das organisatorische Werk auch erst einmal an der Zeit und den Umständen zweier totalitärer Systeme gescheitert war, so ragt seine Persönlichkeit und sein geistiges Lebenswerk weit über die Zeit und den Raum hinaus, in dem er gewirkt hat.

Johannes Hohlfeld wurde am 1.1.1888 in Reichenbrand bei Chemnitz geboren. Schon Ende 1911 konnte Hohlfeld eine Dissertation zu „Stadtrechnungen als historische Quellen“ vorlegen. Besonders wichtig für seine Entwicklung wurde, daß er am 1.1.1912, nachdem er durch persönliche Vermittlung von Professor Dr. Karl Lamprecht dem Vorsitzenden der „Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte“, Rechtsanwalt Dr. Hans Breymann, vorgestellt worden war, Assistent dieser Zentralstelle wurde. Die Zentralstelle mit ihrem privatrechtlichen Status gab Hohlfeld die Schaffens- und Entscheidungsfreiheit, um z.B. mit einer Firma oder einer Familie einen Werkvertrag abzuschließen, eine Handlungsfreiheit, die mit einem Beamtenstatus und daraus folgenden haushaltsrechtlichen Vorschriften damals und heute unvereinbar wäre. 

In den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur war die Haltung von Hohlfeld ambivalent: Einerseits begrüßte er die gewachsene Bedeutung der Familiengeschichtsforschung, andererseits war er stets kritisch genug, die Fragwürdigkeit und Oberflächlichkeit dieses Zuwachses zu ahnen oder zu durchschauen. Bleibende Verdienste hat sich Hohlfeld insbesondere bei der Erforschung der führenden Leipziger Familien und der Bearbeitung der Bände „Leipziger Geschlechter“ erworben.

Wenn man zum 100. Jahrestag der Leipziger Zentralstelle im Jahre 2004 einmal Bilanz ziehen wird, dann wird Hohlfeld zweifellos als der bedeutendste und erfolgreichste Leiter dieser Einrichtung benannt werden. Es ist die besondere Ironie der Geschichte, daß vier Tage nach seinem Tode am 21.4.1950 die Zentralstelle in eine Sammelstiftung überführt (und aus dieser heraus 1956 dem Archivwesen der DDR geschenkt) worden ist.

Der Vortrag ist in erweiterter Form veröffentlicht worden in:
Weiss, Volkmar: Johannes Hohlfeld, von 1924 bis 1950 Geschäftsführer der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig, zum 50. Todestag. Genealogie 49. Jg. (2000) 65-83. - Nachdruck: Genealogie, Sonderheft (2000/2001) 1-19. Dieses Sonderheft kann angefordert werden über E-Mail: webmaster@degener-verlag.de

Weitere Veröffentlichungen zum Thema:
Weiss, Volkmar: Die Entwicklung der Leipziger Zentralstelle von 1949 bis 1967. Ein Beitrag zur Geschichte der Genealogie in der DDR. Genealogie 48. Jg. (1999) 577-591.
Hohlfeld, Johannes: Die Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte und die Deutsche Bücherei. Herold-Jahrbuch, N.F. 4 (1999) 73-78.
Weiss, Volkmar und Katja Münchow: Ortsfamilienbücher mit Standort Leipzig in Deutscher Bücherei und Deutscher Zentralstelle für Genealogie. 2. Auflage. Neustadt/Aisch: Degener 1998 (= Genealogische Informationen 33).

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