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Die letzte öffentliche Hinrichtung im Amt Frankenberg in Sachsen

Zusammenfassung zum Vortrag am 08.05.2002
Referent: Herr Frank Drechsel, Genealogischer Verein Chemnitz

Wenn in früherer Zeit etwas geeignet erschien, die Bevölkerung eines ganzen Landstrichs auf die Beine zu bringen, so war es eine öffentliche Hinrichtung. Die letzte in der Gegend von Frankenberg geschah 1835.

Bei öffentlichen Hinrichtungen wurde die Todesstrafe vor einer großen Volksmenge vollzogen - es konnten also tausende Menschen ungehindert zusehen - wogegen spätere Hinrichtungen mitunter in Höfen von Landgerichten unter Zulassung einer begrenzten Zuschauerzahl bzw. ausgesuchter Personengruppen stattfanden. Öffentliche Hinrichtungen wurden von der Obrigkeit wohl auch zur Abschreckung der Massen gedacht; letztere befriedigten damit z.T. sicher auch ihre Schaulust und erhofften davon zuweilen auch wundertätige Wirkungen. Die im folgenden beschriebene Begebenheit ist in der Heimatgeschichte als „Mord zu Mühlbach" überliefert. Wie sich bei den Forschungen zeigt, enthalten einige literarische Beschreibungen aber Unrichtigkeiten. Als Quellen dienten neben seriöser Literatur u.a. Kirchen- und Gerichtsbücher sowie Unterlagen im Stadtarchiv und Stadtmuseum Frankenberg.

Die Hingerichtete, Christiane Concordie Beyer, wurde am 18.4.1809 in Berbersdorf bei Hainichen als Tochter des dortigen Erbrichters Carl Christoph Beyer und seiner Ehefrau Christiane Friederike geb. Gölbrich geboren. Beide Eltern kamen aus angesehenen und wohlhabenden Familien im Raum Hainichen und Freiberg. Darunter befinden sich Bauern, Handwerker, Richter, Schöppen, Kirchenvorsteher und ein Pfarrer.

Christiane Concordie Beyer wurde am 17.4.1834 in Pappendorf mit Johann Carl Gotthelf Seltner, 3/4-Hüfner in Mühlbach, getraut. Die Eltern beider Brautleute waren zu dieser Zeit bereits verstorben. Erbrichter Beyer hatte sich 1833 das Leben genommen, über die Gründe können heute nur Vermutungen angestellt werden. Seine Ehefrau verstarb 1830. Im Gegensatz dazu wird in mancher Literatur angegeben, die Eltern der Braut hätten die Tochter zu dieser Ehe gedrängt.

Am 12.5.1834, einen Tag nach der Feier des Einzuges der Braut in Mühlbach, wurde ihr Ehemann plötzlich krank; Arznei konnte ihm nicht helfen und er verstarb nach großen Leiden noch am selben Tag. Seine Geschwister wünschten eine Sektion des Leichnams, die ergab, dass Selters an Vergiftung durch Arsenik verstorben sei. Bei der Vernehmung von Selters Mägden, Schwager und Witwe ergab sich gegen letztere ein Verdacht, weshalb sie in die Fronfeste Sachsenburg gebracht wurde, wo sie 502 Tage bis zur Hinrichtung inhaftiert war.

Nach mehrmaligen Leugnen gestand sie die Vergiftung ihres Ehemannes und gab ihren Geliebten Carl August Krell aus Pappendorf, einen ledigen Knecht, der in ihrem väterlichen Gut dient, als Mitwisser an. Da eine Verheiratung mit ihm nicht möglich war, plante sie schon vor ihrer Trauung, den Ehemann zu vergiften, um dessen Gut zu erlangen und Krell zu heiraten. Zur Tat benutzte sie Rattengift, das sie ihrem Mann in den Kaffee tat. Krell ebenfalls in Haft genommen, gestand seine Mitwisserschaft, leugnete aber jede tätige Teilnahme und versuchte später, seine Geständnisse zu widerrufen.

Ende 1834 gebar Christiane Concordie Seltner eine Tochter, die im Februar 1835 ihrer Schwester übergeben wurde, aber nach wenigen Monaten verstarb.

Christane Concordie Seltner und Carl August Krell hatten sich Verteidiger gewählt. Die Akten wurden an den damaligen Schöppenstuhl zu Leipzig zum Verspruch gesandt. Nach einem Monat kam dort das Urteil: für die Seltnerin die Todesstrafe des Rades, für Krell 2 Jahre Zuchthaus. Beide reichten neue Verteidigungsschriften ein und die Akten wurden an die Juristen-Fakultät Leipzig zum Verspruch gesandt, die das Urteil aber bestätigte. Die Seltnerin bat um nochmalige Verteidigung und Krell um Begnadigung; das Apellationsgericht Zwickau wies aber beide ab. Krell kam ins Zuchthaus Waldheim und heiratete 1839 eine andere Frau. Die Geschwister der Verurteilten (Bruder Erbrichter Beyer in Berbersdorf und ihre Schwester) und der von diesen gewünschte Verteidiger ersuchten um eine 3. Verteidigung, was ebenfalls von Zwickau abgeschlagen wurde. Eine Woche vor der Hinrichtung reichten Christane Concordie Seltner und ihr 2. Verteidiger ein Begnadigungsgesuch ein, auf das vom König und vom Prinz Mitregent die Strafe des Rades auf Gnaden in die Todesstrafe durch das Schwert umgewandelt wurde.

Das Urteil wurde am 29.9.1835 durch den Frankenberger Scharfrichter Fischer vollstreckt. Als Richtplatz dienten Felder in der Nähe des Gasthauses „Drei Rosen" in Dittersbach. Kavallerie, Kommunalgarde und die Amtsfolge (Bauern aus über 10 Orten) sperrten ihn ab. 15 - 20000 Menschen sollen der Hinrichtung zugesehen haben. Zwei Geistliche erteilten der Verurteilten Zuspruch. Nach einer kurzen Ansprache des Justizamtmanns wurde sie mit dem Schwert enthauptet. Augenzeugen haben berichtet, dass von Zuschauern das Blut der Hingerichteten aufgefangen und getrunken worden sei als Mittel gegen Krämpfe und Gicht.

Den Leichnam brachte man zur medizinischen Akademie Dresden. Der Schädel von Christiane Concordie Seltner und eine nach dem Tod angefertigte Gipsbüste ihres Kopfes befinden sich heute im Anthropologischen Museum in Dresden. Beides war im Stadt Museum Frankenberg anlässlich einer Ausstellung zum beschriebenen Vorfall vor einigen Jahren zu sehen.

Ein Frankenberger Lehrer hat vor längerem ein Bänkellied zu der Begebenheit verfasst und das Gymnasium der Stadt dieselbe in einem Theaterstück verarbeitet.

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